Rüstungen von 1100-1250

Grundsätzlich sollte vorab gesagt werden, daß die Rüstungen von 1100- 1250 bei der Masse der Krieger die selben waren, wie sie von den Truppen von Wilhelm den Eroberer 1066 bei der Eroberung von England eingesetzt worden sind.
Hierfür lassen sich folgende Gründe anführen:
1. Jeder Krieger mußte für seine Ausrüstung selbst aufkommen. D.h. die Waffen und Rüstungen wurden von lokalen Handwerkern hergestellt, die zum späten 13. Jhd. nicht mehr als bessere Schmiede waren. Spezialisierte Handwerker wie Waffenschmiede oder Panzerhemdmacher gab es vorher noch nicht. Auch die großen Zentren der Rüstungsproduktion im nördlichen Italien bildeten sich nicht vor dem Beginn des 14. Jahrhunderts.
2. Eisen und andere Metalle sind bis mindestens 1200 sehr teuer. So hatte ein Patrizierhaushalt im 12. Jahrhundert abgesehen von einigen Silbergefäßen gerade 2 kg Metallgefäße. Im 14. Jahrhundert kommen schon über 50 bis 100 kg an Metallgefäßen zusammen. Rüstungen wurden daher häufig von einer Generation an die nächste vererbt. Nur die reicheren Herren konnten es sich leisten ihre Rüstung immer dem neusten Stand der christlichen Waffentechnologie zu bringen.
Somit waren die viele Männer, die am dritten Kreuzzug teilgenommen haben vermutlich wie ihm Jahre 1066 gepanzert.
 

Rüstungstypen
Die Panzerungstypen von 1090 bis 1250 lassen sich in drei Gruppen aufteilen:
1. Panzerung aus ineinander geschlungenen Ringen, im folgenden als Ringgeflecht bezeichnet.
2. Rüstungen auf Basis von Leder oder Stoff. Hier sollte man verschiedene Typen unterscheinen:
Mit Flachs oder Lumpen gepolsterte Leinen- oder Ledergewänder, die durch Steppnähte in Längsrichtung oder Rautenform verstärkt waren (Gambeson).
Mit überkreuzten Lederriemen und Metallbeschlag verstärkte Kleidungsstücke (z.B. Gitterbrünnen).
3. Mit Schuppen aus Leder, Horn, Walknochen (sog. Fischbeinschuppen) oder Metall beschlagene Gewänder.
Es kam auch vor, daß Krieger, so sie das Geld für diese Panzerung hatten, verschiedene Rüstungstypen übereinander trugen. Die Häufigste Kombination ist hierbei einen Gambeson unter eine andere Rüstung zu ziehen.
Die unter 2. und 3. Aufgeführten Rüstungen sind meist leichter und billiger (abgesehen von einem Schuppenpanzer mit Metallschuppen) als eine Rüstung aus Ringgeflecht und werden daher häufig von ärmeren Kriegern getragen worden sein. Rüstungen der Gruppe 2. wurden häufig vom einfachen Fußvolk getragen. Rüstungen unter 3. waren dagegen unter ärmeren Rittern, Serganten (entspricht in etwa reicheren Söldnern) und anderen Kriegern die zu Fuß oder zu Pferd kämpften häufig.

Panzerung der Arme und des Körpers ab 1066
Der neuste Rüstungstyp um 1066 war eine knielange Rüstung mit halblangen Ärmeln. (Man bezeichnet alle Typen dieser knielangen Rüstungen als Brünnen oder Hauberke um nur zwei Begriffe zu nennen. Im weiteren benutze ich für diesen knielangen Rüstungstyp den Begriff Brünne. Dieser Rüstungstyp wird erst um 1400 durch den Harnisch als hauptsächlicher Körperpanzer abgelöst.) Das Panzerhemd war zur besseren Beweglichkeit und um das Reiten zu ermöglichen ohne die schützende Wirkung der Rüstung zu mindern vorne und hinten mittig bis zum Schritt hin geschlitzt (verg. Reiterschlitz in der Mode dieser Epoche). Wenn das Panzerhemd aus einem Ringgeflecht (Kettenhemd) hergestellt war häufig eine Haube aus Ringgeflecht an der Bünne befestigt (Panzercoif), häufig als Kettenhaube bezeichnet). Reichere Herren trugen zusätzlich zur Brünne noch Ärmel aus Ringgeflecht, die bis zum Handgelenk reichten. Diese waren vermutlich an einem Untergewand befestigt. Zusätzlich kamen gepanzerte Beinlinge vor die den Ober- und Unterschenkel bedeckten, den Fuß aber frei ließen.
Ab 1170 wurden bei den Brünnen aus Kettengeflecht lange Ärmel üblich. Aufgetreten sind diese jedoch schon gegen Ende des 11. Jahrhunderts. (Ob bei den anderen Panzertypen auch längere Ärmel aufkamen ist fraglich, da hierdurch die Beweglichkeit der Arme massiv eingeschränkt würde. Denkbar wäre eine Ärmelverlängerung höchstens bei den sogenannten Gitterbrünnen, die ja hauptsächlich aus Leder oder Leder und Stoff bestehen.)(pers. Anmerkung)
Die nun längeren Ärmeln endeten mit der Zeit immer seltener an den Handgelenken, sondern in Fäustlingen aus Ringgeflecht, deren Handinnenflächen aus Leder oder Stoff waren. Diese Fäustlinge hatten parallel zu den Fingern einen Schlitz auf der Handinnenseite, so das man mit der Hand aus dem Fäustling herauskam ohne das ganze Panzerhemd ausziehen zu müssen. (Es ist möglich das die gepolsterte Unterkleidung die man unter der Brünne zu Tragen pflegte, ebenfalls an den Armen in Fäustlingen endete, da sonst die Panzerung der Hände von nur sehr geringen nutzen gewesen wäre. Hierbei sollte dann die Handinnenflächen der Fäustlinge auch bei der gepolsterten Unterkleidung Schlitze aufweisen. die Fäustlinge werden mittels eines Lederriemens in der Höhe des Handgelenks mit einem Lederband festgebunden. Dagegen treten Panzerhandschuhe (engl. Gauntlet) erst um 1285 auf. Diese hatten zu dieser Zeit noch das Aussehen von Fischbeinschuppenhandschuhen. Allgemein gebräuchlich wurden sie aber erst später.
Schuppenpanzer in Brünnenform waren bis etwa 1220 verbreitet. Hierauf wurden sie durch den leichteren und in gewisser Hinsicht effektiver schützenden Plattenpanzer (heute meist als Plattenrock bezeichnet) bis zum Beginn des 14. Jhr allmählich verdrängt.
Ein weiterer Rüstungstyp der den Torsoschutz ergänzen sollte war die Cuirie, die gegen 1225 aufkommt. Hierbei handelt es sich um ein in Wachs gekochtes Lederwams das über der Brünne als zusätzlicher Schutz getragen wurde. Arietten oder Schulterschilde werden erst ab 1250 modisch und werden daher nicht weiter behandelt.

Gepolstete Unterkleidung
Es sprechen einige Beweise dafür, das von 1066 ab unter der Brünne  eine Polsterung getragen wurde.
Diese Polsterung konnte ein Gewand aus Leder oder Fellen sein oder sie bestand aus einem mit Lumpen, Wolle oder Werg (Flachs/Hanf) gepolsterten Wams (Gambeson).

Beinpanzerung
Im späten 11. Jahrhundert hatten die meisten Krieger nur Beinlinge oder Hosen aus Stoff an. Gelegentlich waren diese Beinlinge mit Lederriemen und Beschlägen verstärkt.
Ab 1100 kamen dann Beinpanzerungen aus Ringgeflecht auf, die auch den Fuß schützten. Man kann hierbei zwei Typen unterscheiden:
Der häufigere Typ bestand aus einem steifen Ringgeflecht, das die Vorderseite des Beins schützte, die Waden aber ungeschützt ließ. Dieser Streifen Ringgeflecht wurde mit einem zickzackförmig durch die Endringe des Ringgeflechts gezogenen Lederriemen am Bein befestigt. Es kam auch vor das diese Beinpanzerung nur an einem Bein, dem linken der Schildseite angebracht wurde. Diese billigere Lösung zum panzern der Beine war bis 1230 die verbreiteste Variante .
Der zweite Typ sind aus Ringgeflecht bestehende Beinlinge (vergleichbar mit sehr langen Strümpfen mit eingearbeiteten Schuhen.) Diese waren mit einem Strumpfbandgürtel an einem Hüftgürtel befestigt und zusätzlich durch einen Lederrienen (Hosenband) in der Höhe der Kniekehle festgeschnürt.
Laut U. LEHNART (1998) ist dieser gesondert vom sonstigen Hüftgürtel zu betrachten der die Hose trägt. Wie alle Beinpanzerungen ist auch diese mit einem Hosenband unterhalb des Knies zusätzlich befestigt.
Diese Beinpanzerungen werden als Chausses bezeichnet. Allgemein gebräuchlich waren sie ab 1150 für reichere Herren, häufig aber wurden sie erst nach 1200.
Bei der Betrachtung der Abbildung eines Kreuzritters im Westminster Psalter von Matthew Paris (1250) zeigt noch eine weitere Art von Panzerung: Hierbei scheint es sich um Metallscheiben zu Handeln, die mittig auf ein Trägermaterial genietet wurden. Diese Beinpanzerung bedeckt auf der Abbildung den Fuß und den Unterschenkel bis zum Knie. Die restliche Beinpanzerung besteht aus Ringgeflecht.
Die Kniegelenke wurden ab 1220 durch wattierte "Oberschenkelschützer"  oder Diechlinge zusätzlich geschützt, die man über die Beinpanzerung zog. Diese wurden in ihrer Schutzwirkung durch Knieschoner (Poleyne oder Schinneliere) verstärkt, die ab 1230 auftreten. Diese Poleyne waren anfänglich sehr klein, aber von 1260 -1270 veränderten sie ihre Größe soweit, dass das Knie seitlich und frontal bedeckt war.


Kopfschutz

Panzerhauben oder Panzercoifs
Der Kopfschutz eines Kriegers bestand um 1100 aus einem Panzercoif aus Ringgeflecht (entweder Kettenhaube (wenn einzeln) oder Kettenkapuze (wenn sie an der Brünne befestigt war) und einem Helm (siehe unten). Um eine Verwechslung dieser Kettenhaube mit einem Helmtyp der als Panzerhaube bekannt ist zu vermeiden, und aus dem Grund das neben diesem Kettenhauben auch noch Hauben aus Stoff und Leder gebräuchlich waren benutzte ich hier den Begriff "Panzercoif" in Anlehnung an die englischsprachige Literatur.
Dieser Panzercoif konnte am Panzerhemd befestigt sein, sofern dieses aus Ringgeflecht bestand, kam aber auch bei diesen Brünnen einzeln vor (so gesehen an einer Statue an der Kathedrale von Angouleme). Diese Panzercoifs wurden mit einem Lederriemen, der durch das Kettengeflecht in Stirnhöhe gezogen wurde, am Kopf gegen verrutschen geschützt. An diesem Leberband wurden auch der Kinnschutz (Kinnvaz, franz. Ventalille, engl. Aventail) befestigt. Alternativ zum Panzercoif aus Ringgeflecht wurde von ärmeren Rittern und Serganten ein Coif aus Stoff oder Leder getragen.

Helme
Über diesen "Coifs" ob sie nun aus Leder, Stoff, oder Ringgeflecht bestanden, trug der Kämpfer einen konisch nach oben zulaufenden Helm. Diese Helmform zeichnete sich durch den Vorteil aus das Schwertstreiche, die gegen den Kopf geführt wurden seitlich abglitten.
Für gewöhnlich war an diesen Helmen noch ein Naseneisen befestigt, um das Gesicht zu schützen.
Es waren drei Methoden verbreitet um diesen Helmtyp zu konstruieren:
1. Der Helm wurde aus einem Stück Eisen getrieben.
2. Der Helm wurde aus verschiedenen Eisenplatten hergestellt, die dann mit Spangen (schmale Metallstreifen) verstärkt wurden. Dieser Helmtyp wird auch als Spangenhelm bezeichnet. Wenn man einer Rekonstruktionszeichnung im Buch Norman Knight von C. GRAVETT (1993) (Seite 36) glauben möchte so kann anstelle von Eisenplatten konnte auch Leder verwendet werden, um die Flächen zwischen den einzelnen Spangen auszufüllen.
3. Der Helm wird ebenfalls aus Eisenplatten zusammengesetzt die aber, im Gegensatz zum Spangenhelm direkt miteinander vernietet werden.
Ab 1140 - 1150 traten auch Helme auf, die kein Naseneisen mehr hatten und welche die rund anstelle von konisch nach obenhin zuliefen. Spanische Ritter haben diese oben abgerundeten Helme schon zu einer früheren Zeit getragen. Diese Konischen Helme können auch über Platten verfügen, welche die seiten des Kopfes einschließlich der Ohren abdeckten. Zudem kam es vor das Helme über einen Nackenschutz verfügten, der dann in seiner Form einem Naseneisen ähnlich war.
Neben diesem Helmtyp werden in den Manuskripten des 11. und 12. Jahrhunderts auch sogenannte Phrygian Kappen der Angelsachsen abgebildet. In verschiedenen Beispielen aus dem 12. Jahrhundert ist der hintere Rand dieses Helms heruntergezogen, um den Nacken zu schützen. Diese Helme traten bis etwa 1218 auf.
Um 1150 - 1180 bzw. um 1200 kommt ein weiterer Helmtyp auf. Diese als Topfhelm bezeichnete Helm hatte eine zylindrische Form und eine Flache Helmdecke. Gelegentlich erweiterte sich dieser "Zylinder" nach oben hin. Auch dieser Helm konnte ein Naseneisen zum Schutz des Gesichts aufweisen.
Ab 1180 kamen immer häufiger feste Metallplatten vor die das gesamte Gesicht bedeckten.
LEHNART erwähnt sogar, das diese "Visierplatten" in wenigen Fällen schon zu Anfang des 12. Jahrhunderts auftraten. Dieser Gesichtsschutz (engl.: Face guard ) kamen außer beim Topfhelm auch an den anderen beiden Helmtypen vor. Diese verschwanden aber zu Anfang des 13. Jahrhunderts mit der allgemeinen Verbreitung des Topfhelms wieder. Dieser Gesichtsschutz wies zuerst halbrunde Aussparungen für die Sicht auf die dann aber zu schmalen rechteckigen Augenschlitzen verkleinert wurden. Zusätzlich wurde dieser Gesichtsschutz mit kleinen Löchern versehen, die im Bereich der Nase und des Mundes angebracht waren. Im Bereich der Augenschlitze und der Vorderseite konnte der Helm durch Metallstreifen verstärkt sein. Diese hatten dann wenn sie zusammen auftraten die Form eines Kreuzes. Der Topfhelm in dieser Form hielt sich bis etwa 1210. Darauf wurde er immer häufiger mit einem Nackenschutz versehen. Gegen 1220 hatte sich dieser Nackenschutz soweit vergrößert, das der Helm den ganzen Kopf schützte. Die Vorderseite wurde schließlich mit einer Falz versehen, wodurch der Helm nach vorne hin geknickt war. Hierdurch konnten Schwertstreiche und Lanzenstöße zu den Seiten abgleiten. Dieser Helm wird allgemein als Großer Helm bezeichnet. Ab 1260-1270 wurde dieser Helm im oberen Bereich schmaler, und ab 1280 war der Große Helm nach oben hin konisch zulaufend.
Ab 1200 treten Panzerhauben aus Eisenplatten auf die unter dem Kinn befestigt wurden. Ab 1220 waren diese Panzerhauben sehr weit verbreitet und wurden vom einfachen Fußvolk als bis zum Hochadel getragen. Dieser Kopfschutz war der Kopfform stark angepasst und wurde ab 1250 häufiger auch unter dem Panzercoif getragen.
Ein weiterer Helmtyp der um 1200 aufkam und der sich besonders weit verbreiten sollte ist der Eisenhut (engl.: Kettle hat, franz.: chapel-de-fer ): Dieser Helm war wie der Name schon sagt mehr oder weniger Hutähnlich. Er hatte eine Eisenkrämpe welche ausgezeichnet gegen Geschosse und Hiebe von oben schützte. Die frühen Exemplare dieses Helmtyps bestanden aus 4 Eisenplatten die durch überkreuzte Metallstreifen verbunden waren. An diesem Grundgerüst war dann eine Hutkrempe angebracht.
Dieser Helm war besonders beim Fußvolk beliebt, wurde aber auch vom Adel getragen.

Unterhauben
Unter diesen Helmen und dem Panzercoif wurde ein gepolstetes Coif (oder die sog. Gupfe) eine Art Kappe getragen das dem zivilen Coif ähnelt. Der Coif wurde unter dem Kinn mit zwei Bändern am Kopf befestigt. Durch das aufkommen des Topfhelms änderte sich das aussehen des Coifs dahingehend, das ein Polsterring in Stirnhöhe angebracht wurde. Dieser Polsterring hatte die Aufgabe den Topfhelm in seiner Position zu halten. Dieser weiterentwickelte Coif konnte wie bisher unter dem Panzercoif getragen werden oder ein zweiter Coif wurde über dem Panzercoif getragen das dann nur den Polsterring aufwies.

Helmzieren
Helmzieren traten frühestens zum Ende des 12. Jahrhunderts auf, die erste ist bekannt von zweiten Siegel von Richard Löwenherz (1194) und weitere sind in dem etwas später, in dem deutschen Manuskript Eneide abgebildet. Es ist aber auch gut möglich das Helmzieren sich erst später etablierten und die oben angeführten Beispiele Einzelstücke sind.

Surcoats oder (Waffen-) Wappenröcke

Vor 1150 haben die Ritter unter ihrer Brünne und der Polsterung eine knöchellange Cotte (oder den Bliaut)getragen. Dieses lugte dann unter der Rüstung hervor. Neben diesen traten alternativ zur Cotte lange, ebenfalls fast bis zu den Knöcheln reichende Waffenröcke auf, die über der Rüstung getragen worden sind (Surcoat). Dieses wird mit einem Band als Gürtel in Hüfthöhe zusammengehalten. Die frühesten Darstellungen von Waffenröcke ähnlichen Kleidungsstücken die über der Rüstung getragen wurden treten in Spanien am Ende des 11. Jahrhunderts auf. Der Surcoat hat sich aber frühestens in der Mitte des 12. Jahrhunderts in verschiedenen Teilen Europas verbreitet. Richtige Verbreitung scheinen diese Waffenhemden aber erst zwischen 1170 bis 1200 erlangt zu haben. Hierbei waren sie in Deutschland erheblich weniger verbreitet als in westlichen oder südlichen Nachbarländern. In diesen Ländern verdrängen sie in diesem Zeitraum allmählich die knöchellange Cotte unter dem Rüstzeug (diese wurde vermutlich gegen eine kürzere ausgetauscht) . Der Surcoat ab 1170 - 1200 ist Ärmellos.
Ab 1225 treten auch Waffenhemden mit halblangen Ärmeln auf und ab 1237 wird dieser Surcoat in zeitgenössischen Handschriften und sonstigen Darstellungen kürzer dargestellt, so das er nur noch Handbreit über das Knie reicht. In einer anderen Darstellung treten Waffenhemden erst im letzten Viertel des 12. Jahrhunderts auf ) Die Waffenröcke sind anfänglich vorheraldisch und wurden nur vom Hochadel getragen. Der heraldisch geschmückte Surcoat tritt gegen Ende des 12. Jahrhunderts auf und ist bis 1210 er die Ausnahme. Erst gegen 1235 ist davon auszugehen, das jeder Ritter einen Wappenrock trug. Das dieser Wappenrock aber auch heraldisch mit dem Wappen abgestimmt war ist erst im 14. Jahrhundert die Regel.

Schilde
Um 1100 wurde hauptsächlich ein Schild benutzt der als Normanneschild bekannt geworden ist. (Das diese Bezeichnung nicht ganz treffend ist zeigt sich daran das auf dem berühmten Teppich von Bayeux auch Angelsachsen mit diesen Schilde abgebildet sind.) Er ist an vielen Stellen auf dem Teppich von Bayeux zu finden. Woher die Normannen die Anregung zu diesem Schildtyp hatten ist nicht ausreichen geklärt.
Dieser mandelförmige Schild der noch aus dem 11. Jahrhundert stammte, hielt sich bis zum Beginn des 13. Jahrhunderts und wurde dann sehr schnell vom Dreiecksschild abgelöst, der um etwa 1150 aufkam. In Italien hielt sich der Normannenschild dagegen noch bis ins 14. Jahrhundert. Der Normannenschild wurde in diesem Zeitraum allerdings in verschiedener Weise abgewandelt bzw. der jeweiligen Mode angepaßt. Hierdurch entwickelte sich der Normannenschild des 11. Jahrhunderts nach und nach, über viele Zwischenformen hinweg, zu dem als Dreiecksschild bezeichneten Schildtypus. Es ist daher sinnvoll beide Schildtypen zuerst vorzustellen und dann die Mischformen zu beschreiben, anstelle chronologisch vorzugehen.
Grundsätzlich waren alle mittelalterlichen Reiterschilde aus Holz, wobei man Lindenholz bevorzugte. Diese Holzschilde waren dann mit Leder oder Rohhaut eingeschlagen. Es kamen auch Schilde vor die mit mehreren Schichten Leinwand überzogen waren. Es ist möglich das der Rand dieser Schilde zuweilen mit einer zusätzlichen Schicht Rohhaut verstärkt wurde. Dieser könnte eine Erklärung für den schmutzig weißen Rand auf verschiedenen frühen Abbildungen von wappengeschmückten Dreiecksschilden sein.
Bei dem Normannenschild handelt es sich um einen madelförmigen Schild der oben rund ist und nach unten Spitz ausläuft. Dieser Schild konnte mehr oder weniger stark gebogen sein. Wenn man den Abbildungen auf dem Teppich von Bayeux glauben will, so muß dieser Schild anfänglich relativ flach gewesen sein. Erst im Laufe des 12. Jahrhunderts scheint dieser Schild stärker gewölbt vorgekommen sein. Der sogenannte Seedorfer Schild, der 1197 dem Kloster am Vierwaldstätterseee von Arnold von Brienz gestiftet wurde, ist der einzig erhalten gebliebene Normannenschild.
Dieser ist relativ flach und war etwa 1,10 m hoch bevor er im 2. Viertel des 13. Jahrhunderts durch das Abschneiden der oberen Rundung zu einem Dreiecksschild hin modernisiert wurde.
Die Normannenschilde sind natürlich auf die Körpergröße des Trägers ausgelegt gewesen. Da die Krieger zu dieser Zeit in der Regel bis 1,70 groß waren und selten über 1,80, ist ein Normannenschild bis zu 1,20 groß gewesen. Dieser große Schild hatte den Vorteil zu seinem Vorgänger dem Rundschild, das der Kämpfer erheblich einfacher gegnerische Attacken abwehren konnte. Den ein Normannenschild schütze nicht nur den Torso des Kriegers sondern auch die untere Gesichtshälfte und mit der nach unten ausgezogenen Spitze das Knie des Krieges schützen konnte. Da nur ein Schild dieses Typs erhalten geblieben ist und dieser auch keine Haltereimen mehr aufwies, ist man auf die Abbildungen dieser Zeit angewiesen. Hier kann man zwischen einer Halterung unterscheiden die aus zwei senkrechten Riemen bestand, die für die Fast und den Unterarm gedacht waren und einer Halterung die aus vier Riemen bestand die dann ein Quadrat auf der Rückseite des bildeten. Diese Halterungen dienten offenbar zwei verschiedenen Haltungsformen des Schildes.
Der Dreiecksschild der schließlich den Normannenschild ablösen sollte (vergl. oben) war dagegen kleiner und war oben flach. Dieser Schild ist auf Abbildungen des 12. Jahrhunderts derart stark gebogen, das die rechte und die linke Seite des Schildes parallel zueinander stehen. Als Beispiel für einen solchen Schild kann man die Emailplatte des Geoffrey Plantagenet in der Kathedrale von Le Mans aufführen die um 1151 entstanden sein mußte. Bei Dreieckschilden und Normannenschilden waren noch bis zum Ende des 12. Jahrhunderts gelegentlich mit einem seiner Funktion entkleideten Schildbuckel verziert. Dieser wurde nämlich nicht mehr zum Schutz der Hand benötigt als dieser noch das Griffloch bei einem Rundschild abdeckte. Zusätzlich zum Schildbuckel kamen auch Metallstreifen vor die ebenfalls eine Zierfunktion aber auch eine stabilisierende Wirkung hatten. Diese beiden Verzierungen sind auch auf der oben erwähnten Grabplatte von Geoffrey Plantagenet abgebildet.
Als Übergangsformen zwischen Normannenschild und Dreiecksschild kamen dann verschiedene Schilde vor, die mehr oder weniger stark gebogen waren und nach oben hin verschieden stark abgerundet ausliefen.

Wappen
Wappen als Erkennungszeichen sind im vierten Jahrzehnt des 12. Jahrhunderts aufgekommen.
Hierbei handelte es sich natürlich um einfache Zeichen die weithin erkannt werden sollten. In diesem Zusammenhang erklärt sich auch die Vereinbarung von 13. Januar 1188 zu Gisors, in der Philipp II. von Frankreich, Heinrich II. von England und Philipp von Flandern bestimmte Farben für die Kreuze ihrer Mannen bestimmten: Rote Kreuze für die Franzosen, weiße für die Engländer und grüne für die Flamen.
Zweck dieser Einteilung sollte es sein die Kommunikation unter den Truppen zu erleichtern, da man so erkennen konnte welche Sprache der andere sprach.