MUSEUM: Damit kann sich Ziesar eine kleben

Burg erstmals auf Briefmarke / Bischof Feige übergibt liturgische Gewänder als Dauerleihgabe

ZIESAR - Briefeschreiber erhöhen den Bekanntheitsgrad der Burg Ziesar. So hat der private Briefdienstleister Debex die Bischofsresidenz als Motiv für eine 49-Cent-Briefmarke gewählt und mit dem Zusatz versehen: Willkommen in der Burg Ziesar. Die Marke macht den so genannten Standardbrief frei, der allerdings nur mit Debex in alle neuen Bundesländer und Berlin verschickt werden kann.

Über so viel Aufmerksamkeit freut sich natürlich Clemens Bergstedt, Leiter des Museums für brandenburgischen Kirchen- und Kulturgeschichte des Mittelalters, das große Teile der historischen Burganlage einnimmt. „Das ist eine Form der Werbung, die nur gut sein kann“, so Bergstedt. Sein Haus zählte im vergangenen Jahr rund 8000 Besucher. Damit bewege sich das öffentliche Interesse an der 2005 eröffneten Dauerausstellung auf stabilem Niveau, resümiert der Museumsleiter. Aber auch der 35 Meter hohe Bergfried wird gern bestiegen. Zusammen mit der wegen seiner Ausmalungen berühmten Burgkapelle waren es allein 2000 Besucher, die sich für Besichtigungen außerhalb des Museums entschieden hatten. Dass sich Ziesar im Wettbewerb mit anderen Kulturhochburgen im Land wacker behauptet, hängt auch mit dem Veranstaltungsprogramm des Burgmuseums zusammen. Das 2008 erstmals durchgeführte Wandelkonzert, das Mittelalterlager der Askanier-Bruderschaft und die wechselnden Sonderausstellungen bezeichnete Museumsleiter Bergstedt als Erfolg. Das Museum in der Burg war federführend bei der Herausgabe der Festschrift zur 1060-Jahr-Feier Ziesars und es gibt einen neuen Internet-Auftritt. Höhepunkt 2008 war die Eröffnung des Bibliotheksgebäudes auf dem ehemaligen Wirtschaftshof.


Das neue Jahr fängt für das Museum gleich mit einem Paukenschlag an. Im Beisein von Brandenburgs Kulturministerin Johanna Wanka und dem Magdeburger Bischof Gerhard Feige werden am 29. Januar erstmals Paramenten in die Dauerausstellung aufgenommen. Dabei handelt es sich um zwei rund 300 Jahre alte liturgische Gewänder, die von der katholischen Gemeinde Groß Ammensleben bei Magdeburg dem Museum als Dauerleihgabe übergeben werden. Die Textilien aus der Barockzeit waren zuvor durch Spenden der Hermann Reemtsma Stiftung unter Beteiligung des Bistums Magdeburg und der Stadt Ziesar restauriert worden. Sie werden in einer von Designern der Fachhochschule Potsdam entworfenen Vitrine präsentiert. „Die Gewänder sind wertvolle und anschauliche Exponate, mit denen die Dauerausstellung bereichert werden sollen“, sagte Bergstedt dem Landkurier.

Von einem lokalen Thema wird die nächste Sonderausstellung geprägt sein. Der ehemalige Zeichenlehrer Wolfgang Rödel dürfte vielen Ziesaranern noch bekannt sein. Er lebt heute in Potsdam und wird seine Bilder ausstellen. Ein bibliographischer Leckerbissen wird im Frühjahr vorgestellt. Dann erscheint ein opulenter Bildband über die Bischofsresidenz, der zum Standardwerk über mittelalterliche Wandmalereien avancieren wird.
(von Frank Bürstenbinder)

BURGFEST: Askanier und Titanen

Ziesar feierte das Mittelalter / Ministerpräsident mischte sich unters Volk

ZIESAR - Die „Titanen on tour“ sind in Ziesar mit Applaus und Jubelrufen begrüßt worden. Der Empfang des Trecks Samstagnachmittag war ein Höhepunkt im Programm des diesjährigen Burgfestes, das extra um eine Woche verschoben worden war.

Die Planwagenkolonne, die an den Weg der Siedler aus Flamen vor 850 Jahren erinnert, war zuvor an der Landesgrenze zu Brandenburg von vielen Zuschauern empfangen worden. Ministerpräsident Matthias Platzeck, Potsdam-Mittelmarks Vizelandrat Christian Stein, Ziesars Bürgermeister Dieter Sehm und Thomas Haseloff vom Kaltblut Zucht- und Sportverein Brück begleiteten den Treck bis ins Fienerstädtchen. Die Burg Ziesar bot eine schöne Kulisse. Nach alter Sitte wurden Brot und Salz gereicht.

Die Bruderschaft der Askanier hatte den Empfang umrahmt.
Klein und Groß bestaunten die Pferde, die Wagen und lobten den Mut der Kutscher. Der Treck hatte bis Ziesar bereits 1050 Kilometer zurückgelegt. Er habe einen großen Respekt vor der Leistung von Mensch und Tier, verkündete Platzeck, ehe er sich unter das Volk mischte.

Mittelalterliches Treiben und Unterhaltungsmusik bildeten den Rahmen. Während auf dem Burghof das Publikum schwungvoll mit irischer und schottischer Folklore von der Live-Band „Cobblestones“ unterhalten wurde, waren auf dem benachbarten Wirtschaftshof mittelalterliche Klänge zu hören. Ganz Mutige schlossen sich sogar der Aufforderung an und wagten ein Tänzchen.

Wer wollte, konnte Bogenschießen oder sich beim Korbflechten ausprobieren. Besucher konnten sich an Deftigem und Süßem laben. Auch am Sonntag, der traditionell mit Hähnekrähen und einem musikalischen Frühschoppen der Burgmusikanten begann, fanden wieder viele den Weg auf die einstige Bischofsresidenz.
(von Silvia Zimmermann)

Flyer vom

Burgfest in Stargard

MIT SCHWERT, TRIBOCK, Pfeil und Bogen

Wie die Askanier in Ziesar die Burg erstürmten
von Silvia Zimmermann

ZIESAR
Bis an die Zähne bewaffnet, nähern sich Ritter der Burg Ziesar. Ihr Ziel ist es, sie zu erobern. Mit Tribock, Schwertern, Pfeil und Bogen stehen sie vor dem Tore und forderten von den Höflingen sich zu ergeben. „Die Burg wird niemals übergeben“, so die Botschaft an die Invasoren. „Wir verteidigen uns bis zum letzten Mann.“ Die Erstürmung der Burg Ziesar gehört Sonntagnachmittag zu den Höhepunkten des zweitägigen Mittelalterspektakels.

Bewohner zeigen Widerstand
Der erste Angriff wurde abgewiesen. Die Gegner versuchten es immer wieder. Mit Leitern und Wurfgeschossen aus dem TRIBOCK wollte man die Höflinge besiegen. Die Burgbewohner aber zeigten Widerstand, und alles Bewegliche, wie trockene Maispflanzen, Holz, Waschwasser und sogar eine Wildsau flogen den Feinden entgegen. Weib, Kind, Magd, Hauptmann – jeder wurde zur Verteidigung herangezogen. Am Ende half alles nichts. Ritter stürmten die Mauern, die Burg wurde erobert. „Euer Hauptmann ist gefallen, ergebt euch!“ Roderich zu Kienwerder nutzte die Gelegenheit und floh mit der Schatztruhe.

Natürlich war es nur ein Schaukampf, bei dem einiges nicht recht klappte und zur Belustigung des Publikums beitrug. „Eine Eroberung, die im 13. Jahrhundert hier so stattgefunden haben kann“, erklärte Siegfrud von Burgund alias Marcus Porsch.

Die Askanier aus Berlin hatten bereits am Freitag in Ziesar ihre Zelte aufgeschlagen – und das bereits zum dritten Mal. Die Bruderschaft wurde 1999 gegründet und zählt etwa 30 Mitglieder. Im normalen Leben gehen Herold, Weib, Ritter, Knappe einem gewöhnlichen Beruf nach. An den Wochenenden schlüpfen sie in die Rolle und lassen so die Bruderschaft der Askanier weiter leben.

„Mit Ziesar verbinden wir die Geschichte der Askanier und das ist wichtig für unsere Bruderschaft“, erklärte Siegfrud von Burgund. „Wir werden hier immer MIT sehr viel Herzlichkeit empfangen und gut umsorgt.“ Mit viel Humor, loser Zunge und nicht zimperlichem Umgangston demonstrierte man Schaukämpfe, Gerichtsverhandlung und eine dynamische Waffenschau.

Ritter aus dem Publikum
Besucher wurden geschickt eingebunden. So Axel Machens aus Berlin, der sich als „Schwarzer Ritter für eine Schauvorführung zur Verfügung stellte, und die Potsdamerin Aenne Wood als weibliches Pendant. Angeleitet von Johanniterritter Ulrich von Ende verfolgten die Besucher einen unerbittlichen Schwertkampf, der damit endete, dass beide zum Ritter geschlagen wurden. Jubel und Handgeklapper waren der Lohn.

Dem Publikum gefiel das Mittelalterflair bei herrlichem Sonnenschein. Zu erleben waren eine Feuershow, Mittelalterliche Musik mit „Uhlenflug“ und ein kleiner Mittelaltermarkt mit kulinarischen und handwerklichen Erzeugnissen. Museumsleiter Clemens Bergstedt zeigte sich MIT den etwa 2000 Besuchern am Wochenende zufrieden. „Jeder kam auf seine Kosten.“