Mit weniger als dem Nötigsten

von NICO GRÜNKE, 28.05.12, 18:37h, aktualisiert 

Roderich zu Kienwerder testet den frisch gespannten Bogen auf Burg Querfurt, wo seine Askanische Brunderschaft zu Pfingsten lagerte. (FOTO: MARCO JUNGHANS)

QUERFURT/MZ.
Kein Strom, kein Wasserhahn an der Wand, ja nicht einmal richtige Wände: Nur der dünne Stoff ihrer Zelte und das heran geschleppte Wasser, das auf einer Feuerstelle erhitzt werden kann, prägen die kargen Lebensumstände der Bruderschaft der Askanier. Die derzeit rund 30 Mitglieder purzeln in ihrer Lebensweise gern ein paar Jahrhunderte zurück und beinahe am liebsten tun sie das auf der Burg Querfurt.

"Das ist ein tolle Anlage, wir kommen gern hierher", sagt  Johann von Blankenburg, der am vergangenen Sonntag nicht nur wegen der sommerlichen Temperaturen ordentlich ins Schwitzen kommt. Einen mittelalterlichen Bogen muss der Ritter, der im richtigen Leben Frank Mrazek heißt, gerade spannen. Keine leichte Aufgabe, wie sich zeigt.

Sogar noch etwas mehr Kraft muss Sven Rehfeldt alias Roderich zu Kienwerder für den gleichen Vorgang aufbringen. Einen sogenannten 65-Pfund-Bogen spannt er. Mehr als 300 Meter weit könne er seine Pfeile mit dem Bogen durch die Luft sausen lassen, wenn er das beabsichtige. Die Tierattrappen, die die mittelalterlich gekleideten Männer am Dicken Heinrich aufgestellt haben, sind nicht ganz so weit weg. Sie zu treffen, stellt sich dennoch als schwierig heraus.

Während Johann und Roderich den Umgang mit Pfeil und Bogen trainieren, sind die anderen Mitglieder noch im Zeltlager zugange. Die große Gruppe hat gerade ihr Frühstück zu sich genommen, und es zeigt sich, dass nicht nur die Herren der Schöpfung bereit sind, sich auf das Abenteuer Mittelalter einzulassen. Auch mehrere Frauen haben an der Art von Freizeitgestaltung Gefallen gefunden. "Die Rollen waren im Mittelalter klar verteilt", erzählt Iris Plachetha. Bei der Bruderschaft werde dieses Detail aber nicht ganz so streng genommen, sagt sie weiter. Um den Abwasch nach dem Frühstück kümmern sich aber trotzdem mehrheitlich die Frauen.

Vom Schuhwerk mal abgesehen - statt hochhackiger Schuhe sind die zur damaligen Zeit auch von Männern bevorzugten Schnabelschuhe an den Damenfüßen zu sehen - bewiesen die Frauen wohl schon im Mittelalter Modebewusstsein. Zumindest das Tuch, das Iris Plachetha als Gefolgsfrau Sirigunde auf ihrem Kopf hat, lässt die Vermutung aufkommen. Dabei befinde sie sich gesellschaftlich betrachtet unter ihrer Mitstreiterin Angela Berdyschak, die aber ein weniger auffälliges Gewand trägt. "Sie ist die Gesellschaftsstufe nur heraufgestolpert", schmunzelt Sirigunde. "Das ist so, weil mein Mann in den Ritterstand erhoben wurde", ergänzt Angela Berdyschak, die ebenso gut gelaunt scheint. Bei Wind und Wetter in einem mittelalterlichen Camp zu leben sei auch für die Frauen kein Problem.

"Wir haben es hier in Querfurt auch schon bei Minusgraden ausgehalten", erzählt Freizeitritter Torsten Berdyschak, der davon spricht, dass die Mitglieder aus dem Berliner Raum kommen und im echten Leben beispielsweise als Mechaniker oder Versicherungsangestellte ihr Geld verdienen. Mehrere Wochen im Jahr widmen die Mitglieder ihrem Hobby, bereichern auch oft Mittelalterfeste. Das Campieren auf der Querfurter Burg ist schon seit mehr als zwölf Jahren fester Bestandteil des Vereinslebens.

Guter Bürger  Milosz
Die Bruderschaft bedankt sich bei Dir für diesen schönen Bericht.

Blutiges Massaker am Schildhorn
  By Milosz | June 11, 2012 | Schwimmen, Wettkampf

Gemäß der Schildhornsage soll im Jahr 1157 nach Christi Geburt der Slawenfürst Jacza de Copnic (Jaxa von Köpenick) vor Albrecht dem Bären mit seinem Pferd durch die Havel geflohen sein. Sein Pferd litt unter Reiter und Rüstung sehr und so rief der kurz vor dem Ertrinken stehende in seiner Not den bis dahin verhassten Christengott um Hilfe an und überlebte die Überquerung auf wundersame Weise. Es schien ihm als ob eine Hand nach dem Schilde greife und so Reiter und Pferd sicher zum Ufer geleitete. Aus Dankbarkeit für seine Rettung legte er seinen Schild und sein Horn an einer Eiche ab und gelobte fortan dem Christengott zu folgen.

Von dieser Sage inspiriert veranstaltete gestern unter der Schirmherrschaft des regierenden Bürgermeisters der Förderverein historisches Gatow im Museumsdorf Gatow e.V und der Verein Bürger für Schildhorn e. V. erstmals das Jaczo-Fest. Damit wird an die Geburt der Mark Brandenburg erinnert, die am 11. Juni 1157 historisch ins Leben gerufen wurde und in diesem Rahmen fand auch das Schildhornschimmen statt, das an die Havelüberquerung des eben genannten Fürsten anknüpft.

Das Fest steht ganz im Zeichen des Mittelalters . Die Bruderschaft der Askanier e.V. unterstützte die Veranstaltung mit Verpflegungsständen, Vorführungen über Handwerk und Kriegskunst der Slawen und Askanier, u.v.m.

Frau Doktor und ich haben uns also entschlossen bei dieser erstmalig stattfindenden Veranstaltung dabei zu sein, da es grad mal 5km von uns entfernt war. Das Teilnehmerfeld mit knapp 40 vorangemeldeten Schwimmern war sehr übersichtlich, das Wetter versprach gut zu werden und das Rahmenprogramm schien ideal für einen  gemütlichen Sonntagnachmittag. Auch die Startzeit für die Welle der Männer um 13:00 Uhr entsprach mir sehr, da wir am Abend zuvor zu einer Hochzeit eingeladen waren und ich nicht vor hatte mich dort feiertechnisch zurückzuhalten.

Mit ziemlich schweren Kopf schwang  ich mich also Sonntag Vormittag auf das Fahrrad und in Gatow angekommen wurden wir von Rittern, Herolden und Edelfrauen begrüßt.

Die technische Organisation übernahm das Team von Tollense-Timing, so dass wir sehr profimäßig mit Chiparmbändern für die Zeitmessung versorgt wurden.

Kurz vor dreizehn Uhr: eine Eröffnunsgrede des Veranstalters und der beiden Bürgermeister. Bezirksbürgermeister Reinhard Naumann gibt gemeinsam mit seinem Spandauer Kollegen, Bezirksbürgermeister Helmut Kleeba kurz nach 13:00 Uhr den Startschuss.

 

Das Teilnehmerfeld ist trotz verhältnissmäßig geringer Anzahl qualitativ gut bestückt: es sind ein paar Triathleten da und auch ein paar Vereinsschwimmer. Ich schwimme zügig los, kann am Anfang auch gut mit den Kraulern mithalten. Nach 200 Meteren werden die Wellen ganz ordentlich und mir wird ein bißchen schlecht im Wasser. Die Wellen in Kombination mit den Spätfolgen des gestrigen abends; bin ich wohl ein bißchen seekrank geworden und hab die Orientierung verloren. Das Boot von der DLRG kommt also ab und zu bei mir vorbei und richtet meinen nach „Rechts Schwimmen Drang“ wieder grade. Ich wechsle hier und da auch wieder auf Brust wegen der Wellen und scherze mit den Rettungsschwimmern über meine VIP Begleitung  . Ans Aufgeben denke ich trotzdem nicht und schwimme ganz in Ruhe zu Ende.

Auf der anderen Seite angekommen muss man dann noch 100 Meter einen kleinen Berg hoch zum Schildhorndenkmal. Am Ufer spielt wieder eine mittelalterliche Kapelle „die Lautlosen“, und das Publikum empfängt einen fast frenetisch auch wenn man mit ein bißchen Abstand zur Spitze ankommt.

Das Ufer ist aber leider sehr steinig und dazwischen befindet sich mehr als nur die eine oder andere Muschel. So dass sich mindestens die Hälfte der Teilnehmer die Füße aufschneidet und von der DLRG behandelt werden muss.

Passend dazu geht mir vorher noch ein Gedicht durch den Kopf, das ich auf Wikipedia bei meinen Vorabrecherchen zur Veranstaltung „fast“ auswendig gelernt habe  .

„Rings am Strand die Menge lauscht,
Und der Jubel will nicht enden,
Wie das Wort herrüberrauscht:
Nimm, o Herr, des letzten Wenden
L e t z t e Wehr aus meinen Händen:
S c h i l d und H o r n! – Und dieses Land,
Das sich Deinem Dienste weihe,
S c h i l d h o r n sei’s fortan genannt !
Herr, – dem Säumigen verzeihe !.“

– G. Gurski, Schildhorn (Auszug)

Stimmen werden laut die Veranstaltung abzubrechen. Aber die Frauen sind schon im Wasser, es folgen ja aber dann noch die Kinder. Die DLRG ist nicht der Veranstalter, kann nicht eingreifen.

Ich persönlich finde das Ganze jetzt nicht so tragisch und versuche innere Ruhe auszustrahlen. Da spüre ich aber meine kleinen Wunden noch nicht.

Dann kommt Frau Doktor! Sie schwimmt Brust kurz hinter der Ersten, die krault. 20 Meter vor dem Ufer gibt die Erste allerdings auf und Frau Dokor zieht vorbei, rennt die kleine Steigung zum Denkmal hoch.

Sie wird erste von 9 angetretenen Frauen und gewinnt zwei Gutscheine im Wert von je 25€ von Intersport! Und mit einer Zeit von 19:02 ist sie sogar ein dreiviertel Minute schneller als ich. Da zeigt sich dann der Vorteil, wenn man der Fahrer am Vorabend war!

Aber auch sie hat sich die Füße aufgeschnitten.

Für die Kinder wird dann das Ziel doch direkt an den Strand verlegt, so dass sie nicht mehr den Hügel zum Denkmal hochlaufen müssen. Warum das helfen sollte weiss ich nicht, da die Muscheln im Uferwasser ja das Problem sind.

Nun ja, es waren aber in der Summe keine größeren Schnittwunden dabei, auch wenn hier und da ein bißchen Blut geflossen ist und auch ich habe erst am Abend meine kleinen Schnitte schmerzhaft erlebt, als ich den Dreck von der Fußsohle wegschrubben wollte.

Fazit:
Eigentlich war alles super! Die Idee, der Termin, das Rahmenprogramm, die Preise, das Wetter, die technische Betreung durch Tollense Timing….

In der Ausschreibung stand auch in der Tat drin:

„Schwimmschuhe bzw. Socken werden empfohlen, Neoprenanzüge sind erlaubt.“
Dies wurde von den meisten Teilnehmern inklusive mir entweder nicht gelesen oder schlichtweg ignoriert. Da Freiwasser geübte mit steinigen Untergrund schon klar kommen können. Ich denke aber, dass ein Hinweiss das Ufer sei voll mit scharfkantigen Muscheln da schon eher die Aufmerksamkeit erregt hätte.  Und damit die Teilnehmer zu mehr Disziplin ermahnt hätte.

Dieser Hinweis muss einfach beim nächsten Mal viel PROMINENTER plaziert werden. Ich denke, dass mein kleiner Beitrag auch ein bißchen dazu beitragen wird.
Der Titel dieses Beitrags ist also mit Absicht so “reißerisch” gewählt. Denn in der Summe hatten ich und Frau Doktor ziemlichen Spass und würden nächstes Jahr auch wiederkommen. Dann aber mit Neoprenschuhen 

Ulrich und Johann mit Frau Doktor. / Foto Milosz

Marietta Herzberger
June 15, 2012 at 21:29
Sehr schön geschrieben! Tolle Bilder! Bei der Vorstellung, dass die neoprenbewandteten Schwimmer von Rittern, Herolden und Edelfrauen begrüßt wurden, musste ich ein wenig grinsen!

Antwort: Milosz
Ja das war schom ein ziemliches Aufeinandertreffen der Zeitalter. Jedoch muss ich sagen, dass ein reges gegenseitiges Interesse an den Zeitreisenden bestand. Ich hab mir sogar ein paar Werbepostkarten der Bruderschaft der Askanier mitgeben lassen und hab mich so ein bisschen in Ihre Webseite eingelesen. Ist schon spannend was es so gibt! Die nehmen das schon ernst was sie da machen.

Ein Zeitungsbericht vom 06.07.2012 der Märkischen Oderzeitung

Regionalteil Oderland Echo 

von Sabine Steinbeiß

Der Bericht

 

Askanierbruderschaft brachte die Robin’s Kids nach Ziesar mit
ZIESAR - „Steh’ aufrecht und halte beide Augen offen. So trifft dein Pfeil besser.“ Der neunjährige Nils Schreiber gab am Sonnabend dem zwei Jahre jüngeren Noah Venus Unterricht im Bogenschießen. Der Junge aus Potsdam war dankbar für die Hilfestellung und schoss einen Pfeil nach dem anderen ab.

Nils Schreiber ist Mitglied bei den Robin’s Kids und hat das Bogenschießen in der Gruppe erlernt. Die Robin’s Kids schlugen gemeinsam mit den Askaniern und dem Deutschen Schwertorden ihre Zelte im Burgpark der Burg Ziesar auf und ließen das Mittelalter in der über 1000-jährigen Stadt lebendig werden. „Unseren Verein gibt es bereits seit 20 Jahren. Das Schießen mit dem Langbogen ist unser Hobby. Mit 40 Mitgliedern sind wir nach Ziesar gekommen“, berichtete Vereinsvorsitzender Tom Little. Der Andrang der Besucher beim Bogenschießen war enorm.

Bereits das sechste Mal in Folge verwandelte sich die Burg Ziesar zu einem Mittelaltermarkt samt historischem Zeltlager im Burgpark. Dort wurde gekocht, gekämpft und altes Handwerk ausgeübt. Die Besucher erlebten hautnah das Lagerleben. Der siebenjährige Noah nutzte die Gelegenheit und forderte nach seinen Bogenübungen den Askanierritter Ralf von Räuschhaus zu einem kleinen Duell mit dem Schwert heraus.

Bei der Waffenschau erklärte der Askanierritter Ulrich von Ende dem Publikum, welche Waffen sie bei Auftritten mit sich führen. Ausgerüstet mit Schwert und Schild ließen Robert von Tornow und sein Gegner die Schwerter klingen. Das Publikum kam nicht zu kurz und wurde in die Handlungen einbezogen. Von den Kindern wurden die Ritter des Deutschen Schwertordens buchstäblich bei einer Eroberung umgerannt.

Besinnliche Momente des Mittelalters führten Sascha und Janana vom Circus Thalamus auf. Beide spielten Musik, tanzten und jonglierten. Am Abend verzauberten beide Künstler und einige Mitglieder der Askanierbruderschaft das Publikum mit einem leidenschaftlichen Tanz zur Feuershow. Am Sonntag dann der traditionelle Höhepunkt – die Erstürmung der Burg Ziesar. (sz)